Silvester und die Rückkehr der Kinder

13Jan2018

Entgegen großen Versprechungen von wegen “Alle Leute seien auf der Straße“, “Es wird überall gefeiert, getanzt, die ganze Nacht“ verbrachte ich eher ein ruhiges familiäres Silvester. Da Flo noch in Yaoundé geblieben ist und Lea ebenso Urlaub machte, wollte ich alleine nicht sofort ins menschenleere Centre zurückkehren und blieb somit noch einige Tage bei DG und MaDe in Demko. Und verbrachte somit auch Silvester dort. Das wird aber erst am 1. Januar gefeiert und somit bestand der 31. Dezember, der bei uns ja eher die größere Rolle spielt, hier aus vorbereiten. Es war ein Tag wie jeder andere auch, abgesehen davon, dass ich gefühlt 5kg Bohnen kleingeschnitten habe usw. Abends hatte ich dann eher das Gefühl, dass irgenetwas fehlt, weil es hier die ganze Schießerei und Feuerwerk natürlich nicht gibt. Es eigentlich nur auf Mitternacht gewartet, um alle möglichen Leute anzurufen und Frohes Neues zu wünschen.

Trotz allem hatten wir am ersten Januar eine Menge Spaß, die Nichten von MaDe waren mit einigen anderen Kindern da und die unterhielten uns gut, immerhin gab es immer jemanden, der an den Haaren zog (ich musste ziemlich viel Überzeugungsarbeit hinlegen, dass man mir glaubte, dass es keine Perücke ist) oder an einem rumturnte.

Als ich dann ins Centre kam, war es erst einmal still. Ich nutzte den Moment und spielte Gitarre, machte den Hausputz und fing erst an, mich zu langweilen, als wirklich alles alles erledigt war. Ab diesem Zeitpunkt wartete ich sehnsüchtig auf die Rückkehr der Kinder. Angekündigt wurde, dass sie am fünften Januar zurückkommen sollen, allerdings nehmen das hier nicht so viele ernst. Und so wurde der Tag sehr sehr lang. Fadyl war mein erster Hoffnungsträger, er kam schon vormittags um 10 Uhr, das war es allerdings dann auch für den Tag. Dieses Spiel ging drei Tage lang, selbst Montag, als schon wieder regulär Schule war, kamen abends die letzten.

Inzwischen sind alle da und im Centre wieder Leben. Singende Kinder beim Kochen, Wäsche waschen und Kehren. Tausend Fragen, kann ich bitte Kreide haben, gibst du mir ein Blatt Karopapier, kann ich das ausleihen oder das etc. Es fühlt sich gut an, wieder in meiner riesengroßen Familie zu sein. Unser einziges Problem im Moment ist das Wasser. Seit über einer Woche kam nicht ein Tropfen aus der Leitung und die vier 1000l Behälter sind leer. Wir gehen meist mit unseren 20l Kanistern zum Brunnen einer Familie, nicht allzu weit entfernt. Aber mit einem vollen Kanister auf dem Kopf wird es dann schneller lang, als einem lieb ist. Zumal ich auf den unebenen Straßen und Wegen hier auch so viel zu oft ins Stolpern gerate. Aber gut daheim angekommen. Als das nächste Problem auf uns wartete: “Elie est parti“ (Elie ist weggelaufen). Und die Suche ging los. Das war nicht das erste Mal und so hatten wir zum Glück schon eine Vorahnung, aber wir waren dann insgesamt gute zwei Stunden unterwegs. Und fanden ihn bei seiner Tante. Wieder zurück im Centre kehrte mit dem Abend dann auch langsam Ruhe ein. Alles wie immer.

Yaoundé - Hauptstadt Kameruns

31Dez2017

Eine Woche Tourismus? Von wegen, man muss hier eher nach touristischen Orten und Aktionen suchen und sollte sich lieber auf das gemütliche Treiben der Stadt einlassen. Die ersten Tage verbrachten wir bei Freunden von MaDe, die uns auch mit auf die Hochzeit begleitet hatten im Quartier Ngousso. Die Hauptstraße stark befahren, mindestens dreispurig mit Fußgängern und Motos überall, wie das Verkehrschaos in Kamerun halt ist. Da, wo der Asphalt auf beiden Seiten der Straße aufhört, ist der imaginäre Fußweg, bei dem man alle paar Meter auf kleine Straßenstände trifft oder Motos einen anhupen, damit man gerade noch zur Seite springen kann. Von überall der Geruch von Essen und Anderem, Menschen und Händler, die durcheinander rufen und natürlich auch laute Musik aus überdimensionalen Lautsprechern und meistens läuft “je bois plus oooh“, mein schlimmster Ohrwurm. Ich glaube, das kommt jetzt nicht so positiv rüber, wie es sich anfühlen kann. Klar wird es irgendwann anstrengend, aber in der ganzen Menge liegt auch ewig viel Energie, die ansteckend sein kann. 

Abgesehen von der Hauptstraße war das Viertel echt ruhig, die Aussicht auf die Häuser am Hügel gegenüber mit einigen Palmen und sonstigen Pflanzen ziemlich schön und es hat uns an nichts gefehlt. A propos Gastfreundschaft, die Hausherrin war eher enttäuscht, als sie hörte, dass wir, die “Jugend“ (Flo, ein kamerunischer Freund und ich) noch in Yaoundé bleiben, aber nicht mehr bei ihr verweilen. Deshalb besuchten wir sie im Laufe der Woche noch einmal in ihrer Boutique, um uns zu bedanken und wurden natürlich noch für den selben Abend eingeladen. Auf eine nächste Hochzeit. Das wäre dann die dritte, während ich in Deutschland in 18 Jahren keine einzige erlebt hatte. Jedenfalls ist das ein Pflichtprogramm.

Wir sind in Yaoundé umgezogen, weil Flo durch France Volontaire die Möglichkeit hat, ein Appartement umsonst zu bekommen. Da sind wir dann auch die letzten fünf Tage geblieben, mit fast immer fließend Wasser und das auch noch warm. Dieser Luxus tat zur Abwechslung mal ganz gut. Allgemein scheint das Quartier Bastos eher eines der gehobeneren zu sein. Ebenso ruhig, wenn nicht gerade ein Auto mit möglichst laut aufgedrehter Musik vorbeifährt und nicht allzu weit entfernt von interessanten Orten. Eines Abends besuchten wir noch das Rathaus und den Place de la Liberté, am anderen Abend waren wir im Quartier Briquetterie Essen. Kossam! Das ist so ne Art cremiger Yoghurt, leicht gesüßt und für mich der Himmel, weil Milchspeisen hier so gar nicht gängig sind.

Außerdem waren wir noch mit Freunden im Zoo, was bis auf den Einlass wirklich schön war. Beim Ticketpreis wird unterschieden zwischen Einheimischen (Stadtbewohner), Kamerunern und Ausländern. Wir zahlen viermal so viel wie ein Kameruner und dann wollten sie auch noch eine Fotogebühr extra verlangen. Nach langem Handeln durften wir unsere Handys behalten und machten die kleine Tour. Löwen, Affen, Vögel, Krokodile und Schlangen, Schildkröten und einige andere Tiere konnten wir sehen und das relativ nah, soweit natürlich möglich.

Wir haben auch noch hier und da Bekannte besucht (zum Beispiel das Ehepaar der allerersten Hochzeit in Bafoussam, es war echt schön, zu sehen, wie sie sich Schritt für Schritt ihr eigenes Leben in der Großstadt aufbauen) und dies und jenes gemacht, aber das alles hier aufzuzählen, würde vermutlich für beide Seiten nicht interessant sein. Vielmehr kann ich als Fazit sagen, dass Yaoundé riesig ist und um sich irgendwie orientieren zu können, ist man auf die Hilfe von Kamerunern angewiesen. Und Tankstellennamen. Ob es jetzt Total Ngousso oder Total Nlongkack ist, Carrefour Biemassi oder Casino Bastos, ohne Taxis und solche Anhaltspunkte findet man jedenfalls nicht mehr heim.

So verging die erste Woche meiner Ferien irgendwie wie im Flug. Inzwischen sind wir wieder in Baham angekommen und Silvester werde ich bei DG und MaDe verbringen. Ich wünsche euch an dieser Stelle allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 und eine fröhliche Feierei.

Ferieen

25Dez2017

Wie schon erwähnt sind wir freitags mit DG und MaDe nach Yaoundé gefahren. Willkommen in der Hauptstadt Kameruns. Mein erster Eindruck war heiß und Stau. Es hat hier meistens 30°C und mehr und auf manchen Strecken sind Staus unvermeidlich bei der enormen Anzahl an Taxis, die mit Motos und Kleinbussen um die Straße kämpfen. Trotzdem war es irgendwie angenehm, mal aus Baham rauszukommen, etwas anderes zu sehen, zum Beispiel Häuser mit mehreren Stockwerken oder Weihnachtsbeleuchtung.


Nach mehreren Kurzbesuchen bei Bekannten, ehemaligen Pensionären vom Centre kamen wir dann bei einer Freundin von MaDe an, wo wir die nächsten Tage schliefen. Mein Zimmer lag im unfertigen Neubau, außer einer Matratze gab es nichts, aber alleine schon, ein eigenes Zimmer zu haben, ist Luxus.


Der wirkliche Grund für die anderen, nach Yaoundé zu kommen, war aber die Hochzeit am 23. Dezember. Angefangen mit der Kirche um neun (es wurde letztendlich elf) Uhr und ebenso verspätetem Mittagessen so gegen 15 Uhr ging der Tag mit viel Warterei relativ schnell herum. Dann wurde sich noch einmal ausgeruht und am Abend um 22 Uhr ging es zum Tanzabend, dem zweiten Teil der Veranstaltung. Davor wurde natürlich noch einmal groß gegessen: Reis, Plantains (frittierte Kochbananen), alles mögliche an Fisch und Fleisch, Salate und Fruchtspieße zur Nachspeise. Letztendlich gingen wir so gegeb 5 Uhr morgens heim und wir waren definitiv nicht die Letzten. Es warbein ziemlich gelungenes Fest und der Saal sowie die Leute große Klasse.

Der Tag danach war dann eher anstrengend;). Weihnachten in Deutschland, hier kaum ein Funken Weihnachtsstimmung vorhanden, außer der Beleuchtung an den Straßenlaternen. Trotzdem konnten wir uns beschäftigen, wir gingen zur Hauptstraße und schauten ein bisschen dem Treiben zu. Abends gingen wir zum Essen, was ehrlich gesagt einem guten deutschen Bistro ziemlich ähnlich kam (zumindest abgesehen vom Essensangebot). Das erste Mal nach fast vier Monaten wieder eine Art Joghurt. Der wirdwir hier Kossam genannt und schmeckt wie gesüßter Naturjoghurt. Danach machten wir einen kurzen Abstecher in die Kirche und waren dann auch schon müde genug, ins Bett zu gehen (der Tag davor war ja etwas länger).

Ich möchte euch auf diesem Weg meine allerbesten Weihnachtsgrüße ausrichten, hoffe, dass es euch allen gut geht und wünsch euch noch schöne Feiertage. Alles Liebe!

Endspurt mit Hindernissen

22Dez2017

Während ich letztens noch eher eine schlafende Routine feststellte, hielt mich diese letzte Woche vor den Ferien ganz schön auf Trab. Jeden Tag ein neues Event, ein verlorenes Kind und und und ..ich sollte lieber von vorne anfangen.

Schon Freitag vorletzter Woche wurde nach der üblichen Evaluation ein Sondertreffen der Verantwortlichen einberufen. Es handelte sich um zwei ältere Damen, die mit einer Jugendlichen in den Saal kamen. Es handelte sich um ein “enfant perdu“ (verlorenes Kind). Ob das Mädchen nun weggelaufen war, sich verirrt hatte oder wie auch immer, das Sozialamt kam mit der Bitte auf uns zu, sie über das Wochenende im Centre zu beherbergen, bis Montag eine Lösung gefunden werden kann und die Aufrufe in Radio und sozialen Netzwerken gehört werden. Und so wurde die Centre-Familie für einige Tage größer, denn auch Montag und Dienstag keine Neuigkeiten vom Sozialdienst und Anrufe kamen nicht durch. Mittwoch früh dann kam der Sozialdienst mit ihren Eltern und ohne große Worte war sie wieder verschwunden.

Wir durften auch zum ersten Mal erleben, wie die Leute vom Centre erfahren. Denn auch, wenn im direkten Umfeld jeder den Namen kennt, wird das in den Dorfvierteln außen herum doch anders. Zur Sensibilisierung sind wir nach Bandjoun gefahren und haben zwei Jugendliche in ihren Familien besucht. Ein Junge und ein Mädchen, beide 17 Jahre, noch nie die Schule besucht, weil die Eltern das Handicap als zu großes Hindernis sahen. Trotzdem wussten sich beide zu helfen und zu beschäftigen, er arbeitet mit Bambus und richtet Schuhe und sie ist für ihre Geschwister und das Essen zuständig. Trotzdem bietet das Centre natürlich eine große Möglichkeit, sich zu bilden, zumindest die Basis des Schreiben und Zählen zu kennen und eine professionelle Schreinerausbildung. Die Entscheidung liegt immer noch bei den Betroffenen und ihren Familien und vielleicht sind ab Januar einige Neuankömmlinge im Centre (vorausgesetzt der Platz reicht aus).

Außerdem waren für Mittwoch und Donnerstag mal wieder zwei kleine Feste geplant, zum Einen, um Spenden zu empfangen und zum Anderen, weil Weihnachten vor der Tür steht. Wieder wurde also der große Saal auf Hochglanz gebracht, alles aufgeräumt und geputzt. Dienstagnachmittag kamen dann Vertreter der Assoziation Filles de Baham vorbei und brachten allerhand Spenden mit. Neben 5kg-Packungen Spaghetti und Reis, Öl, Salz und Seife war für die Kinder das Highlight Kekse und Saft. Symbolisch wurden diese gemeinsam gegessen, es wurden kurze Reden geschwungen und die Kinder sangen wieder fröhlich munter. Am Ende gab es ein großes Familienfoto und DG führte sie noch einmal durch die ganze Einrichtung. Damit war dann zwar das Fest zu Ende, aber der Tag noch lange nicht.

Alle acht Tage ist Markttag in Baham, so wie an diesem Dienstag und Flo (der französische Freiwillige) hat sich ein kleines Radio erhandelt, was uns die nächsten Abende begleitet hat. Die Musik laut genug, dass die Kinder das neue Ding sofort entdeckt haben und so tanzten wir die letzten Tage durch die Abende.

Das Fest für Donnerstag wurde jedoch eine Enttäuschung. Aufgrund von zu weiten Entfernungen und zu straffem Programm kam die angekündigte Dame doch nicht vorbei. Sie ist bei den Kindern bekannt und beliebt, weil sie ebenso Spenden ins Centre bringt (natürlich immer auch mit Keksen und Lollis). Trotzdem hatten wir vormittags im Saal Luftballons aufgehängt und mit den Kindern herumgealbert (es gingen nur noch die in die Schule, die noch Tests schreiben mussten). Anstatt dem Fest gab es dann halt einen normale Réunion, es wurden die letzten Worte und Pläne ausgetauscht, da DG freitags mit uns nach Yaoundé fährt. Zum Glück hatten Flo und ich am Abend vorher bis Mitternacht noch einige Kuchen gebacken und somit konnten wir den Kindern eine kleine Freude machen und uns für die erste Etappe des Freiwilligendienstes bedanken.

Journée Internationale des Personnes Handicapées - Festtag im Centre

09Dez2017

Das Fest des dritten Dezembers. Seit der Ankündigung von DG, dass wir diesen Tag feiern werden, warteten die Kinder sehnsüchtig darauf und schwärmten schon vom Essen. Denn eins habe ich inzwischen gelernt: die erste Priorität ist dein Essen. Und das scheint irgendwie sehr stark in der Mentalität verankert zu sein, denn egal ob groß oder klein oder welche Tageszeit, beim Verabschieden verspricht man sich „la prochaine fois, je te fais garde.“ (Das nächste Mal bring ich dir was mit./ bekommst du was von mir.) und wenn man gerade irgendwo ankommt, ist die Frage „tu m’as gardé quoi?“ (Was hast du mir mitgebracht?) ziemlich normal. Und immer geht’s um Kekse oder Lollis, um Guaven oder Bananenchips, hauptsache Essen! Wenn ich morgens mit den Kindern den Unterricht anfange, fragt Lynda erst einmal: „Aujourd’hui on prépare quoi?“ (Was gibt’s heute Mittag?) oder „le pain est venu aujourd’hui?“ (Kam heute morgen das Brot?; kurze Erklärung: seit einigen Wochen gibt es Dienstag und Donnerstag andere Kleinigkeiten als das übliche Baguette für das Frühstück um zehn Uhr, da die finanziellem Mittel sich so besser einteilen lassen.)

Um aber wieder zum eigentlichen Thema zurückzukehren: Es wurde geprobt, Wochen vorher bestimmte Lieder eingeübt und ein Sketch geschrieben, Tänze aufgestellt und so weiter. Der Sous￾préfet sollte vorbeikommen und sich das Centre ansehen und auch die Delegierten der Umgebung waren eingeladen und sonstige Persönlichkeiten. Auch einige Freunde und Eltern hatten vor, zu kommen, doch letztendlich blieben wir ziemlich unter uns.

Am Freitag vorher legten sich die Kinder richtig ins Zeug, um alles auf Hochglanz zu bringen. Überall wurde gefegt, die Betten besonders ordentlich gemacht und der große Saal nicht mehr benutzt. Gewischt und dekoriert wurde am Festtag selbst, die Kinder und Pensionäre trugen das offizielle Centre-TShirt in grün mit dem Aufdruck AHP²V und alle warteten sehnsüchtig auf die Ankunft des Sous-Préfet. Und warteten und warteten. Ganze zwei Stunden später und mit knurrendem Magen konnte dann zumindest sein erster Vertreter empfangen werden.

Eine Rede nach der anderen wurde geschwungen und nur ein Teil des Programms, welches die Kinder vorbereitet hatten, konnte aufgeführt werden. Das Ganze kam mir eher anonym vor, abgesehen von einigen wenigen Besuchern und nur einem Abgeordneten hatte das Centre kaum Aufmerksamkeit gefunden. Trotzdem waren die Kinder glücklich, es gab Reis mit Tomatensoße und auch zwei Tage später wurde noch vom Essen geredet.

Während wir Freiwillige mit den Verantwortlichen des Centre vom anwesenden Abgeordneten eingeladen wurden. Irgendwie absurd auf einem Fest, dass den Bewohnern des Centre galt. Es wurde auch generell bemängelt, dass dem Fest kaum Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Kaum einer der Delegierten war da, nicht einmal die Nachbarn wussten, dass ein Fest stattfinden soll. Auch, wenn es den Kindern trotzdem gefallen hat, hätte dieser Tag eine größere Bedeutung verdient gehabt.

Kamerun als Entwicklungsland

23Nov2017

Was heißt das eigentlich? Wie muss man sich das vorstellen? Immerhin haben wir ja meistens (oder zumindest ich, naiv, wie ich sein kann) Bilder im Kopf von traurig schauenden Kindern mit Hungerbäuchen, fragile Hütten mit Wellblechdach. Überfüllte staubige Straßen mit bunt gekleideten (meist farbigen) Personen, die Wasserkanister oder was auch immer auf dem Kopf tragen und sich den Weg mit halb zerfallenen Autos und Motos teilen. Doch wie viel sagen diese Bilder über die Realität aus? Haben wir uns jemals lachende Kinder in Entwicklungsländern vorgestellt, die freudig hinter einem Ball herrennen, zur Musik tanzen oder glücklich singend Wäsche waschen? Wer sagt, dass es einem in einem Entwicklungsland schlecht geht?

Als Entwicklungsland wird Kamerun bezeichnet, weil es offiziell heißt, dass die Mehrheit der Einwohner in sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen nur einen geringen Lebensstandard hat.
Was ist der Maßstab für Lebensstandard? Klar, die Wasser- und Stromprobleme bestehen, ich will auch nichts verleugnen, aber trotzdem findet man einen Weg, damit umzugehen und sich vorzubereiten. Aber es sind nicht die Probleme eines Jeden. Und dabei will ich nicht auf die politische Elite hinaus, die sich ihre Vorteile erkauft und für sich behält, also einfach korrupt handelt. Auch Einzelpersonen schaffen es, durchaus unabhängig von Wasser- und Stromwerken zu leben und nicht auf diese angewiesen zu sein.

Ich habe letztens zusammen mit einem Schüler aus dem Centre den Schneidermeister zuhause besucht, der unter der Woche dreimal kommt, um seine Kenntnisse auch nach seinem offiziellen Ruhestand hier weiterzugeben. Stolz hat er uns hereingebeten. Es war ein angenehm kleines Haus in ruhigem Umfeld mit einem großen Salon und kleinen Zimmern außenherum. Auf dem Dach war ein Solarpanel angebracht (vielleicht 1m x 1m), das ausreichend Energie bringt, sodass ein Stromausfall
ihn nicht mehr betrifft. Außerdem demonstrierte er mir stolz seinen Brunnen und seine selbst installierte Biogasanlage. Somit auch nicht mehr interessiert an Wasserproblemen oder Brennholzknappheit.

Klar sind diese individuellen Maßnahmen nicht für jeden möglich, Brunnen nur sinnvoll, wenn sie eine bestimmte Tiefe nicht überschreiten. Trotzdem hat mir dieser simple Lebensstil sehr gefallenund der Gedanke, dass PaMo (der Schneider) damit sehr zufrieden ist, strahlt er auch aus. Und ich frage mich, ob das überhaupt noch als entwicklungsbedürftig eingestuft werden kann. Der Strom reicht aus, wenn es abgesehen von den Glühbirnen „nur“ einen Fernseher, ein Radio und vielleicht zwei, drei Handys zum Laden gibt.

Ich will damit nicht kritisieren, wie wir in Europa leben und worum unsere Gedanken kreisen. Ich möchte nur zeigen, dass es mir inzwischen teilweise absurd vorkommt zu sagen, dass ich im Moment in einem Entwicklungsland lebe. Beziehungsweise, dass das nicht notwendigerweise heißt, dass es uns schlecht geht. Wir sind glücklich, essen zwei Mal am Tag warm, die Schüler lernen lesen, schreiben und machen ihr Abitur, andere ihre Ausbildung und jeder findet etwas zu tun. Ob man jetzt ein, zwei Stunden Wäsche wäscht oder den Rasen mit der Machete schneidet, über dem Feuer kocht oder die Erdnüsse händisch mahlt. Vielleicht macht die Zeit, die man für eine Handlung aufwendet, einem auch eher bewusst, welchen Wert diese Arbeit hat. Und man langweilt sich weniger schnell, da einem keine Maschinen helfen und auch die 1000ste Bohne per Hand sortiert wird.

Was sich für uns nach unnötigem Aufwand anhört, ist hier normal und Freizeitbeschäftigung. Anstatt sich vor dem Fernseher mit Wii und PS4 zu vergnügen, nutzt man das Sonnenlicht und vergnügt sich draußen gemeinsam beim Erdnüsse schälen. Es werden Geschichten erzählt, Musik gehört und was einem sonst einfällt. Ansonsten geht man zum Marché, schaut noch bei dem Bekannten und dem anderen Freund vorbei und kehrt nach drei Stunden Fußmarsch wieder heim in glückliche Kinderarme. Mir geht es gut. Uns geht es gut. Kein Tag hier vergeht, ohne dass nicht jeder mindestens einmal gelacht hat. Vielleicht fehlt es uns manchmal an Wasser oder Licht, aber nie fehlt es an der richtigen Einstellung („Kommt schon wieder!“) und nur selten an der Motivation.

Wenn die Feierlichkeiten doch nicht aufhören

18Nov2017

Im Moment ist noch Beerdigungszeit in und um Baham. Das heißt, jeden Samstag ist „Journée du Deuille“, das Taxi teurer und dessen Struktur ziemlich überlastet, überall sieht man Gruppen, die alle denselben Stoff tragen und sogar Reisebusse sind im Einsatz, um die Leute herumzufahren.

Neben den fast schon zur Gewohnheit werdenden Beerdigungen war aber auch ein Fest, dass nur alle zwei Jahre stattfindet und für die Chefferie Bandjoun eine große Bedeutung hat. Bandjoun ist von Baham der nächste Ort und die Chefferie um einiges größer als die in Baham. Diese haben wir einen Nachmittag lang besucht und sind im Museum dem kulturellen Hintergrund ein bisschen näher gekommen, auch wenn manche Dinge mir durchaus unverständlich geblieben sind. Dadurch konnte ich aber die Symbole und Kleidung des „danse traditionnelle“ besser deuten.

Die Besonderheit an diesem Tanz ist, dass der König von Bandjoun (oder auch Chef du Village, weil
wir mit Königinnen dank Disney etc anderes verbinden) den Umzug anführt und die große Krone
trägt. Diese wiegt gute 20 Kilo und deswegen helfen Träger links und rechts mit. Das ganze fand am Eingang der Chefferie statt, die Zuschauer wurden so platziert, dass eine Art riesige Arena entstand, wo der König und sein Gefolge eine Runde drehten. Die Menschenmengen waren enorm und das war vermutlich der Tag, an dem wir die meisten anderen Menschen mit unserer Hautfarbe gesehen haben. So bescheuert es klingen mag, aber irgendwie war das besonders, weil ich mich bis jetzt nur absichtlich mit anderen Deutschen getroffen habe und deren Hintergrund immer kannte. Wir warteten wieder eine ganze Weile, bis Rauchzeichen den Beginn der Veranstaltung bekannt gaben und plötzlich alle vor uns von ihren Stühlen aufsprangen und laut und begeistert Beifall klatschten.

Der König war da. Von dem ich aufgrund der vorher beschriebenen Situation leider nicht viel mitbekommen hab. Das war auch DG aufgefallen und während der Zeremonie sollten wir deshalb die Plätze wechseln und mitten durch die Tänzer laufen. Während ich mich erst respektlos gefühlt habe, hat sich zwar niemand anders daran gestört und durch meine Hautfarbe war ich vermutlich auch
dazu privilegiert, während die anderen zurückgedrängt wurden, aber wohl war mir dann erst mal nicht mehr. Trotzdem hatte ich dadurch die Chance, ein paar gute Fotos zu machen. Dem König
folgten alle Königinnen und andere Bewohner der Chefferie mit Bedeutung. Sie trugen den traditionellen Stoff der Bamiléké, blau und weiß und jedes Muster mit einer Bedeutung. Außerdem hielten sie Pferdeschweife in den Händen. Diese wurden dem Publikum zu geworfen und der, der ihn fängt, darf dann für einen kurzen Moment mit den Königinnen tanzen. Die Menge war auch so zu den Trommelklängen in Bewegung.

Die Runde des Umzugs dauerte gute eineinhalb Stunden, war aber überraschend kurzweilig und hat mir sehr gefallen. Auch, wenn mir der Kulturgedanke dahinter viel zu groß und kompliziert scheint, um ihn irgendwann verstehen zu können, ist mir eins klar: Die Leute hier sind unglaublich stolz darauf. Und so freute sich auch DG und tanzte mit den anderen mit.

Hallo Alltag

05Nov2017

Ich bin im Alltag angekommen. Keine aufregende Wochenendaktion oder sonstige Dinge, die unter der Woche für Aufregung sorgen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, ich manchmal Langeweile habe oder mich doch wieder alles stresst, ergibt sich meistens für den Moment selbst. Trotzdem bin ich nicht wirklich zum Schreiben gekommen. Irgendetwas findet man dann doch immer zu tun.

Außerdem war ein französischer Fotograf zu Besuch, um in wenigen Tagen möglichst viele Aufnahmen zu machen, die er in Kooperation mit einem ehemaligen Freiwilligen für eine Ausstellung und Werbung, die möglicherweise in ganz Frankreich ausgestrahlt wird, benötigt hat. Mit dabei war ein Freund, der uns am Anfang vor allem aufgrund seiner Sprachkenntnisse begleitet hat und mir das Einleben ein bisschen leichter gemacht. Ich hatte dadurch auch die Möglichkeit, noch einmal nach Bafoussam zu fahren und eine Stunde umsonst vor einem der wenigen funktionierenden Bankautomaten anzustehen. Der nächste, den wir angefahren sind, ging dann einwandfrei und ohne Wartezeit.
Ich habe eine Spende an das Centre, die über mein Konto lief, abgehoben und weitergegeben. Und das Geld wurde so dringend gebraucht, dass sogar geplant war, dass ich während meinem morgendlichen Unterricht mitkommen sollte (Dank kamerunischer Pünktlichkeit wurde das Ganze dann doch ein paar Stunden nach hinten verschoben). Ein Teil von diesem Geld wurde jedenfalls für die Pension für die Schule benutzt. Schulgeld ist hier nicht gerade wenig und die finanziellen Mittel des Centre und der Eltern der hier lebenden Schüler auf keinen Fall ausreichend. Und der betroffene Schüler wurde von der Schule heimgeschickt (so viel zu Bildung und die Jugend sind unsere Zukunft).

Das Centre finanziert sich allgemein nur von Spenden. Das hört man zwar immer, klar geworden ist mir das aber erst, als es an einem Wochenende hieß, die Großen essen abends nicht, weil das Essen nur noch für die Kleinen reicht. Und dass das durchgebrannte Licht in den Duschen seit zwei Wochen nicht repariert wird, obwohl ich morgens um halb sechs darauf angewiesen wäre. Immerhin gab es ein Erlebnis, an das ich schon fast nicht mehr geglaubt hätte. Wasser aus dem Wasserhahn. Und das gleich an zwei Tagen hintereinander, einmal für 10 Minuten, das andere Mal lange genug, um alle vier 1000l-Kanister aufzufüllen. (Update: einer ist noch halb voll mit Leitungswasser, in den anderen wird schon wieder Regenwasser aufgefangen). Das Wasser ist und bleibt hier ein Problem.

Und der Strom wohl auch. Letztens war es wieder so weit, dass ab morgens keine Leitung mehr funktionierte. Als wir vom Marché zurückkamen und gerne was Warmes getrunken hätten (wir Freiwilligen genießen eigentlich einen Wasserkocher-Luxus). Tagsüber hat mich und die Kinder das nicht gestört, erst abends wurde es kritisch, als die Hausaufgaben im großen Saal nicht erledigt werden konnten, mein Handyakku zur Neige ging und ich meine Taschenlampe bis heute nicht gefunden habe. Anstatt gelernt wurde gelärmt. Die Kinder sangen, trommelten und beteten sogar, dass Gott sie erhören sollte. Unabhängig von der religiösen Wichtigkeit oder Ansicht zeigt das doch die Notwendigkeit von Licht. Während mein größtes Problem war, dass sich mein Handy über Nacht ausschalten könnte, ich somit keinen Wecker hätte und verschlafe, die Kinder morgens zu waschen.

Zum Glück hatte der Regen noch vor fünf die Absicht, auf sich aufmerksam zu machen. Aber kein
warmer Tee in der morgendlichen Frische, kaltes Wasser zum Abwaschen von öligen Tellern und so weiter machten mir das Bedürfnis nach Strom deutlich. Bis die Kinder am nächsten Vormittag irgendwann „Merci Seigneur“ sangen, der Strom geht jetzt wieder. Und somit das Licht bis auf im Bad der Kinder auch.

Inzwischen ist schon wieder Wochenende. Ein Freund aus dem Centre hatte am Samstag Geburtstag und ich konnte mich irgendwie mit dem hier gegenwärtigen Gedanken nicht anfreunden, das zuübergehen. Manche kennen hier nicht einmal ihr genaues Alter, geschweige denn Datum etc. Was in ihrem Ausweis steht, muss dann auch nicht immer notwendigerweise das Richtige sein. Deshalb wird Geburtstagen auch wenig Bedeutung zugebracht. Wir haben also freitagabends nach dem Essen noch den Kuchen übers Feuer gestellt. Kuchen backen ohne Waage, Rührgerät und Ofen gestaltet sich dann doch ein bisschen experimenteller. Hat aber super funktioniert und die Kinder haben sich riesig gefreut. Anstatt dem Ofen haben wir einfach einen der großen Töpfe übers Feuer gestellt und auf einer Erhöhung die Form platziert.

Heute ist Sonntag und wir begleiten in einer Stunde die Kinder in die Kirche nebenan.

Kamerunische Hochzeiten

22Okt2017

Ganz spontan und kurzfristig, wie das hier eben so ist, lud uns MaDe am Donnerstag auf die Hochzeit ihres Neffen ein. Und wer sagt da schon Nein.

“Schnell, wir essen nur Salat und wieder richtig, wenn wir heimkommen. Das wird nicht so lang dauern.“ Letztendlich lief es dann so ab, dass wir bis zum Beginn der Veranstaltung am Freitagabend noch ewig warten mussten und uns umsonst so gehetzt hatten und dass nachts um drei Uhr das Bedürfnis nach Schlaf größer ist, als das nach Essen.

Aber, wenn man schon einmal vor Ort ist, bleibt einem nichts anderes mehr übrig, als zu warten. Immerhin sind wir des Nachtens im Dunkeln umhergeirrt, bis wir die richtige Abzweigung gefunden hatten. Angekommen, so gegen 19Uhr, wurden uns Sitzplätze zugewiesen und wir warteten auf den Plastikstühlen, bis es hieß, wir müssen noch ein Haus weiter. Dort warteten wir wieder, bis alle Stühle aufs Neue aufgestellt und besetzt wurden und dann ging es endlich los.

 

Der Vorabend

Dieser Abend gehört zur kamerunischen Tradition, die beiden Familien der Ehepartner geben ihr Einverständnis und gemeinsam wird darauf mit “vin blanc“ (die Milch aus Bambusstämmen) und Kolanüssen angestoßen. Bis es dazu kam, ist allerdings noch ein weiter Weg.

Vorerst wurden dem zukünftigen Mann und seiner Familie verschiedene Frauen nacheinander verschleiert vorgeführt, aus denen die Richtige ausgewählt werden soll, um zu beweisen, dass man sich sehr gut kennt. Dabei wird auch immer Geld für jede “Falsche“ gegeben, denn erst wenn die Mitgift passt, kommt die richtige Frau an die Reihe. Das hat natürlich eher einen symbolischen Wert, aber das Habgut und Geld nicht zu vergessen sind, haben wir später deutlich zu spüren bekommen.
Das Schauspiel war lustig anzusehen, die Ideen, warum man noch eine kleine finanzielle Unterstützung braucht, gingen nicht aus. Schade nur, dass alles in der Ortssprache Baham gehalten wurde, von der ich leider nur drei Wörter verstehe. Trotzdem war offensichtlich, dass die letzte Frau (also auch die zukünftige Ehepartnerin) in einem “Auto“ (den Geräuschen nach zu urteilen) kommen sollte, das allerdings sehr viele Probleme hatte. Mal wurde es von der Polizei aufgehalten und musste bezahlen, dann war ein Rad kaputt und erst nach vielen Anläufen wurde es dann wirklich bis in den Ruam geschafft und die Frau für die Richtige erklärt. Begleitet wurde das alles von Gesang und Klatschen, Jubeln und Kreischen.

Nun war es an der Familie des Mannes, verschiedene Männer vorzuführen, diesmal aber nicht verschleiert und wesentlich weniger aufwändig, es wurde auch kein Geld getauscht. Als sich die zwei endlich gefunden hatten, wurde gejubelt, getanzt und gesungen.

Anschließend hieß es dann aber wieder warten! Es gab wohl einige Unstimmigkeiten zwischen den beiden Familien (Familie heißt übrigens, Mama, Papa, Oma, Opa, Onkel, Tanten usw) und es dauerte eine ganze Weile, bis sich diese einigen konnten. Anscheinend hatte der Vater der Braut mehr eingefordert, als die Familie des Mannes geben konnte und nicht locker gelassen, bis seine Frau ihn zurechtwies und die Hochzeit also doch stattfinden konnte. Das war unglaublicher Stress für den Bräutigam und seine Zukünftige und der war ihnen auch deutlich anzusehen. Schade, dass durch die Habgier und Sturheit eines Einzigen alles hätte platzen können und die Stimmung so gedrückt wurde. Während dieser Zeit saßen wir wartend und hungrig im Raum, immerhin war es schon 23Uhr.

Letztendlich fand alles ein gutes Ende und gemeinsam wurde nun angestoßen. Dabei schreibt es die Tradition vor, dass die Frau die Kolanüsse aufbricht und ihrem Mann gibt und sie sich gegenseitig vin blanc zu trinken geben. Anschließend wurde noch gemeinsam Tarot gegessen (eine Art Teig mit gelber Soße) und das Publikum besang die Beiden. Dann lud die Familie der Frau zum großen Essen ein, dass es endlich um halb zwei nachts gab. Es gab so gut wie alles und wir probierten alles mögliche, auch wenn hier alles ewigst scharf ist. Neben Reis mit Erdnusssoße gab es auch Ngdolé, Légumes, tausende Kartoffelsorten, Plantains, Batons de Maniok, Huhn, Fisch, Sojaspieße und Tarot.

Als wir dann um drei Uhr morgens zuhause ankamen, durften wir mit Freude feststellen, dass das Programm erst Mittags weitergehen würde. Deshalb schliefen wir einigermaßen aus und hätten uns wirklich keine Gedanken machen müssen, da wir dann eh nicht zur Mairie mitgekommen sind, sondern die Anderen erst vor der Kirche in Bafoussam wieder aufsuchten. Und erneut hieß es warten. Warten, bis das Hochzeitspaar kommt, bis es wieder fährt und sich umgezogen hat, um wiederzukommen. Warten, bis uns jemand überhaupt sagen kann, warum wir warten. Und schließlich begann der Gottesdienst zu dem Zeitpunkt, an dem es eigentlich mit dem nächsten Programmpunkt weitergehen hätte sollen.


Gottesdienst und letzte Festlichkeiten

Feierlich trat die Familie der Frau - alle trugen als Erkennungszeichen denselben Stoff - singend und mit Rasseln, Trommeln etc in die Kirche ein. Wieder ein großer Raum mit hohem Dachgebälk, einem Holzkreuz, dass an der Wand hing und Tafeln, die Psalme und sonstige Bibelstellen zitierten. Dann wurden nacheinander der Bräutigam und die Braut hereingerufen, begleitet von einem kleinen Chor und demselben blechernen Mikrofonton. Es wurde viel gepredigt und gesungen. Leider verstand ich nicht wirklich viel, und wie mir der Franzose im Nachhinein erklärte, war das ziemlich unmöglich gewesen, weil alles in Metaphern und Sprichwörtern stand. Jedenfalls redete man über Monogamie und Polygamie, über warme Betten und das Alleinsein und die Stimmung war ausgelassen. Begleitet von Trillerpfeife, Schlagzeug, Jodeln und Rufen wurde schließlich die Braut geküsst.

Danach gab es eine Tradition, bei der alle zur Musik tanzend vorne am Brautpaar vorbeilaufen und ein bisschen Geld geben. Während wir uns bei der ersten Runde noch zurückziehen konnten, blieb uns bei der zweiten Runde nichts anderes mehr übrig, als mit im Entenmarsch nach vorne zu tanzen (die Bewegungen sind ungefähr so: man bückt sich leicht nach vorne, geht ein bisschen in die Knie und läuft im Takt, während man die Arme angewinkelt, ebenfalls im Takt, nach hinten schiebt und wieder vor den Körper bringt). Der Fotograf war außer sich vor Freude, Weiße so ablichten zu können. So gingen zwei Stunden mehr oder weniger schnell herum und zum Fototermin wurde einfach ein geeigneter Platz vor der Kirche gesucht.

Dann würden alle heimgehen und in ihre Abendkleider wechseln. Das blieb mir aus zweierlei Gründen verschlossen: Der Weg von Baham nach Bafoussam ist zu weit, um ihn für so eine kurze Zeit zurückzulegen und außerdem hatte ich beim Koffer packen nicht daran gedacht, etwas Festliches mitzunehmen. Was aber nicht schlimm war, selbst in Hose und Bluse wurden wir hereingelassen. Vor dem riesigen Festessen voller Köstlichkeiten, von denen ich leider viel zu wenig probiert hatte, wurde ein Einzug mit den Brautjungfern gefeiert, die frisch Verheirateten baten um ihren Tanz und allerlei Danksagungen fanden statt. Jedoch war das Programm sehr kurzweilig und nach dem Essen wurden nur noch die Geschenke tanzend an das Brautpaar weitergegeben.

Letztendlich fand sogar ich mich tanzend auf der Fläche in der Mitte und wir hatten eine Menge Spaß, auch wenn die eintönige Musik einem manchmalriesigen auf die Nerven gehen kann. Und so war ich schon fast froh, als um 23 Uhr der DJ die Musik abstellte, das Fest vorüber war und wir heimfuhren. Ich habe zwar wirklich zwei schöne Tage auf der Hochzeit verbracht, doch das ständige Warten lässt einen sehr schnell müde werden und selbst die Kameruner haben sich darüber beschwert.

 

Update à propos Bilder: Ich bin gerade dabei, mir einen funktionierenden Internetstick zu besorgen und dann wird das alles nachgeholt.

Was die Woche so passierte

19Okt2017

Verstärkung

Unser Trio ist nun endlich komplett. Lea, Florian und ich werden für die nächsten Monate zusammenarbeiten. Der Franzose macht allerdings nur neun Monate und kam deshalb etwas später und fährt auch wieder früher. Die erste Woche hat er noch bei DG gewohnt, jetzt wird er am Wochenende mit ins Centre ziehen und dann kehrt vermutlich der wirkliche Alltag ein. Man versteht sich bis auf das Französisch ziemlich gut und vor allem vormittags kehrt jetzt endlich Ruhe ein, weil seine zwei Schüler fest betreut werden und nicht mehr mal hier, mal dort reinschauen.


Ich und mein Holz - Projet Agricole

Bisher hatten wir noch keine Gelegenheit gehabt, uns das mal genauer anzusehen, aber jetzt, da auch der letzte Freiwillige eingetroffen ist, werden alle Rundtouren erledigt. Und so wurden wir am Donnerstag um sechs Uhr morgens (zumindest war das so geplant, nach kamerunischen Verhältnissen wurde es dann halb sieben) abgeholt, um nach Foumbot zu fahren. Zu fünft saßen wir im 30 Jahre alten Jeep und versuchten, die vor uns liegende “einstündige“ Fahrt mit Federn im Rücken möglichst angenehm zu machen. Was aufgrund der furchtbaren Straßenverhätlnisse aber sowieso nicht möglich war. Wir ruckelten über Schlaglöcher und vom Regen ausgespülte Gräben und schindeten das Auto so einige Höhenmeter hinauf. Irgendwann fing es auch noch an zu regnen und da die Scheiben bei jeder Bodenwelle wieder ein Stück herunterrutschten, konnte man gar nicht wirklich trocken bleiben. Letztendlich schwammen wir dann durch knietiefe Pfützen und ich war wirklich erstaunt, dass der alte Jeep das mitgemacht hat. Und ich war froh über unseren Fahrer PaTiCru, ohne den wir sicherlich den Hang runtergeschlittert wären.

Nach dieser fast zweistündigen Abenteuerfahrt mit so einigen Achterbahneffekten kamen wir schließlich an, leider immer noch im Regen. Als dieser dann vorbei war, machten wir einen Rundgang über das fünf Hektar große Feld, das von zwei Leuten bewirtschaftet wird. Bohnen, Ananas, Bananen und Plantains, Tomaten, Piment, Papaya und vieles mehr wird hier zum Teil für den Eigenbedarf, zum Teil für den Verkauf angebaut. Wir Freiwilligen durften dann schließlich Tomaten pflücken und anschließend Brennholz tragen. Die Angestellten im Projekt schlugen das Holz aus dem Gebüsch und wir machten den Weg von 700m zum Auto mit jeweils so viel, wie jeder tragen konnte. Beschäftigung für gute drei Stunden und weil die Sonne herausgekommen war, auch noch richtig warm. Ziemlich fertig und schwarz an Armen und Tshirt (die Äste und Stämme waren weder trocken noch sauber) brachten wir wieder unsere normale Hautfarbe zum Vorschein, aßen noch eine selbst geerntete Papaya und fuhren wieder heim. Die Sonne schien ziemlich stark und der vollgeladene Jeep brauchte öfter mal eine Pause, um seinen Motor abzukühlen. Wir genossen derweil die Aussicht, die uns morgens durch Wolken und Regen verbaut worden war.

Anfangs war geplant, dass wir Freiwilligen zwei Mal in der Woche mit anderen aus dem Centre zum Arbeiten auf das Feld fahren, jedoch kostet das Benzin für Hin- und Rückfahrt so viel, dass das nicht mehr rentabel ist und nun sollen wir gar nicht mehr dort arbeiten. Wer mich kennt, macht sich vielleicht gerade darüber lustig, wie denn ich auf dem Feld eine Hilfe sein könnte, aber die körperliche Anstrengung wär mir wirklich eine willkommene Abwechslung gewesen und vielleicht kann ich das ja doch noch managen einmal alle zwei Wochen oder so mithinzufahren.

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