Ostern am ersten April !

01April2018

Ostersonntag stand vor der Tür. Tage vorher fingen wir an, palettenweise Eier zu kaufen und zu kochen. Da wir gerade nichts anderes zur Hand hatten, malten wir diese mit Wasserfarben an. Das hat auch erstaunlich gut geklappt und mit Filzstiften zeichneten wir dann Blumen, Wolken, Sonnen, Herzen, was auch immer den Kindern gefällt. Letztendlich hatten wir gut sechzig Eier, von denen zwar leider dank meiner unglaublichen Geschicklichkeit vier zerbrochen sind, aber es blieben immer noch genug für alle Bewohner.

 

Am Sonntag gingen wir dann erst einmal mit einigen Kindern in die Kirche nebenan, zwar mehr aus Begleitungsgründen als Motivation, aber der kamerunische Gottesdienst ist auch sehr viel kurzweiliger. Es wurde gesungen, Kinder vom Kindergottesdienst, der vor dem eigentlichen Gottesdienst stattfindet, führten Theaterstücke auf und tanzten und zwischendurch wurde auch mal gepredigt. Gegen Mittag kamen wir dann nach Hause und es wurde erst einmal gemeinsam gegessen. Reis mit Erdnusssoße, den die Kinder, die nicht in der Kirche waren, vorbereitet hatten.

Anschließend hatten Flo und ich noch einiges zu tun. Zwar waren die Eier bemalt, aber wir hatten ein Tütenproblem und mussten Schokolade und Bonbons gleichmäßig aufteilen. Kurzerhand kamen wir auf die Idee, von jedem einen Pulli zu nehmen und da die Kleinigkeiten einzuwickeln, das war vor allem auch praktisch, weil so nun jeder seinen eigenen Pullover suchen konnte und nicht lesen können muss bzw. Zahlen erkennen. Alles fertig eingepackt, versammelten wir alle im großen Saal und schlossen alle Türen und Fenster. Während die Kinder mehr oder weniger geduldig warteten, schrieben wir drei Hinweise und versteckten einen großen Karton.

Als wir dann endlich die Türen öffneten, stürmten alle heraus, überliefen ziemlich gleich den ersten Hinweis und suchten sofort durcheinander los. Erst nach einigen Minuten wurden sie auf die Botschaft aufmerksam: Wir hatten eine Karte gezeichnet mit einem Kreuz, wo sie den nächsten Hinweis finden sollten. Also alle schnell dahin: Wir erklärten erst einen Weg und hatten einiges zu lachen, als sie dies dann wirklich versuchten, denn wir hatten im nächsten Satz sogar hinein geschrieben, dass wir das nicht ernst meinen und sie doch einfach selber suchen sollen. Und das Gerenne ging von vorne los. Irgendwann rief Mouhammed „une boîte, une boîte“ ( und darin fanden sie dann: nichts. Ein kleiner Zettel mit der Aufschrift „April, April“! Lautes Gelächter.

Nie hätte ich gedacht, dass das so gut klappen würde. Aber wir haben uns eindeutig revanchiert für alle anderen Scherze und Verarschen, die uns die Kinder gerne machen und sehr sehr viel zu lachen gehabt. Danach versteckten wir natürlich dann die richtigen „Nester“ und die Sucherei war auch wieder etwas langwieriger, als wir gedacht haben. Wir waren aber auch teilweise ein bisschen fies, wir haben Manche in die Bäume gehängt, andere halb eingegraben, Fazit: alle waren am Ende irgendwie doch zufrieden und glücklich.

 

Auf Nimmerwiedersehen!

28März2018

Seit Nkongsamba war ich ein bisschen anfällig für Schnupfen und fühlte mich allgemein nicht ganz fit. Zwischendurch gab es aber immer wieder Tage, an denen nichts war und an denen es sogar besonders gut ging. Ansonsten war mir ab und zu kalt, manchmal hatte ich Rückenschmerzen und lauter kleine Dinge, die erst im Nachhinein Sinn ergeben haben. Ich wollte mich dann auch nicht jeden zweiten Tag beschweren und dachte mir, das geht schon vorbei.

Und dann ging ich an einem Samstag ins Bett, um in der Nacht aufzuwachen und mich zu übergeben. Ein schöner Sonntagmorgen – nicht. Denn es hörte nicht auf, mir tat alles weh, ich fand keine schmerzfreie Position und als ich mich dazu durchgerungen hatte, Schmerztabletten zu nehmen, blieben die auch nicht lange drin. Ich versuchte, den ganzen Vormittag zu schlafen, aber auch das ging nicht und quälte mich so selbst durch den Tag, bis Flo, mein französischer Mitfreiwilliger, sich dazu entschied, mich zum Krankenhaus hochzuschleppen. Der kurze Weg von 10 Minuten wurde für mich zum anstrengenden Bergsteigen von einer Stunde. Angekommen durften wir dann typisch kamerunisch warten und ich versuchte, eine einigermaßen angenehme Sitzposition zu finden und sollte immer wieder das Gleiche erzählen. Als meine Temperatur gemessen wurde, waren die Ärzte verwirrt, denn ich hatte weder Fieber noch Untertemperatur wie vormittags.

Trotzdem wurde mir dann Blut abgenommen (dabei wurden mal wieder meine verschwindenden Adern zum Problem, am Ende wurde so darin herumgestochert, dass einfach das Blut, das raustropfte, aufgenommen wurde). Und wieder Warten. Inzwischen war es draußen schon dunkel und wir verbrachten schon die vierte Stunde im Krankenhaus. Ich dachte an den Heimweg und wie ich das schaffen sollte, mir war inzwischen trotz Pullover und dicke Jacke a****kalt und ich zitterte. Daraus wurde dann nichts. Resultat Malaria. Das durfte ich auch im Dezember schon erleben. Damals waren die Symptome anfangs zwar stärker, aber der Verlauf an sich schwach und die Menge an Parasiten im Blut weniger. Deshalb wurde ich auch nicht stationiert und wollte kein großes Thema daraus machen, immerhin löst das Wort Malaria ganz andere Vorstellungen aus, hier aber nun die berechtigte Wahrheit:

Ich sollte dort bleiben, mir wurde ein Bett in der Gynäkologie-Abteilung zugewiesen und ich teilte mir den Raum mit einer Frau mit zwei Monate altem Baby, die ebenfalls Malaria hatte. Flo wurde ins Centre geschickt, um meine Sachen und Geld zu holen, ich saß auf dem Bett und dachte mir vermutlich grade gar nichts, war einfach erschlagen und fertig. Flo kam ein erstes Mal wieder mit Jonas, sie brachten meine Klamotten, Zahnbürste und Bettlaken, Kissen und Decke. So konnte ich mich zumindest schon einmal hinlegen und dämmerte leicht ein, während die anderen sich um den Rest kümmerten. Richtig realisierte ich erst wieder, dass DG mit einer Menge Leuten extra noch von ihm zuhause kam. Mir wurde dann eine Infusion gelegt, bei der auch wieder mehrmals meine Adern gesucht wurden und dann schlief ich irgendwie ein, bevor die anderen gingen.

Als ich später wieder aufwachte, war nur noch Flo im Bett nebenan. Hier ist es üblich, dass sich ein „Garde de Malade“ (Begleitperson) um dich kümmert, dir Essen besorgt, deine Medikamente kauft, usw.. So wurde es eine schwere Woche für Flo, der sich nebenbei auch noch alleine darum kümmern musste, die Kinder zu waschen und zu unterrichten, zur Reeducation zu bringen und und und, während ich tatenlos übermüdet herumlag. Ich bekam über vier Tage lang Chininlösungen, Antibiotika und Schmerzmittel über Infusionen und ziemlich viel Besuch. Während es vormittags meistens relativ ruhig war, kamen nachmittags und abends Freunde, Familie (die Leute aus dem Centre) und sonstige Bekannte. Somit war ich einigermaßen gut unterhalten und während ich anfangs noch relativ viel Schwindelattacken und Gelichgewichtsprobleme hatte, konnte ich gegen Ende auch wieder ohne Hilfe gerade aus gehen.

Ich möchte mich an dieser Stelle für alle Besuche und Anrufe bedanken, und bin mir auch bewusst geworden, wie viele Menschen mich hier in ihr Herz geschlossen haben. Sogar die ganz Kleinen mit Krücken kamen sonntags vorbei, obwohl der Weg zum Krankenhaus teilweise relativ steil bergauf geht. Manche Freunde waren jeden Abend da und die Schüler aus dem Centre kamen meist vor und nach der Schule sogar noch in Uniform vorbei. Mir wurde das Beste an Essen aufgetischt, von Drei-Gänge-Menü über frische Mangos, Ananas und Papaya und Schokolade. Der Appetit kam dadurch zum Ende auch wieder und das Essen blieb drinnen. Trotzdem kann man das natürlich nicht verherrlichen, ich hatte zwar kaum noch Schmerzen, aber meine rechte Hand und der ganze Arm bis zum Ellenbogen wurde aufgrund der Chininlösungen ziemlich dick. Als ich Dienstagmittag entlassen wurde, war ich zwar immer noch relativ müde und darf immer noch Medikamente nehmen, aber fühlte mich endlich wieder zuhause und fing auch wieder an, ein bisschen mitzuarbeiten. Inzwischen geht es mir wieder komplett gut und ich arbeite auch wieder wie zuvor, versuche, alles Mögliche gegen Mücken zu tun. Ein drittes Mal möchte ich in jedem Fall verhindern, auch wenn mir alle schon ganz freundlich nahegelegt haben, dass aller guten Dinge drei sind.

 

Hausbesuch bei Carine - Hallo Baby!

20März2018

Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich sie in einem (sehr viel) älteren schon einmal erwähnt habe und um mir nicht noch mal alles komplett durchzulesen und auch euch das zu ersparen, hier noch einmal die Kurzzusammenfassung: Carine war eine der Pensionäre, die schon viele Jahre lang immer wieder kommen und so natürlich dann auch dieses Jahr, in dem ich als Freiwillige in diese große Familie hineinfand. Leider blieb sie nicht allzu lange unter uns, denn sie war schwanger und eine Geburt im Centre ist einfach nicht möglich. Aufgrund anderer Gründe, wie zum Beispiel dem Verbot von Geschlechtsverkehr im Centre musste sie wohl oder übel heimkehren. „Heimkehren“. Sie wohnt in den Ferien meist bei ihrer Tante in Nkongsamba und somit ist das mehr oder weniger ihr zweites „Zuhause“ nach dem Centre. Und dort ging sie dann auch im letzten Jahr dann wieder hin (vielleicht war es Oktober oder November, ich habe hier irgendwie kein Zeitgefühl). Inzwischen ist das Kind geboren (zwar per Kaiserschnitt, aber es ist trotzdem alles gut verlaufen) und bei ihm wurde bis jetzt auch noch keine Behinderung festgestellt.

Das war dann auch der Grund, warum dieser Besuch in der Familie geplant wurde. Zuerst sollten nur Flo (der Franzose) und TaVi (Vertrauensperson und Repräsentantin der Mitbewohner) dorthin, aber ich wollte natürlich auch mitkommen und das Kind und vor allem auch Carine wiedersehen und nach kurzer Überzeugungsarbeit (bei der ich freundlicherweise gut unterstützt wurde), durfte ich dann auch mitkommen. Zudem kam auch Cami mit. Mittwochs gings dann los. Gute zweieinhalb Stunden liegt Nkongsamba von Baham entfernt (natürlich nur aufgrund der Straßenverhältnisse ;) - wird hier immer gerne betont). Wir warteten am Carrefour von Baham, bis ein Bus in der richtigen Richtung vorbeikam und vier freie Plätze hatte. Der kam überraschend schnell und so fanden wir uns anfangs in einem ziemlich leeren Kleinbus, der auf der Fahrt immer voller wurde. Man stellt sich grundsätzlich an die Straße und schreit dem Chauffeur sein Ziel (und ab und zu den Preis) zu und mit Glück an. So wechselte meine Sitznachbarn relativ oft, mal ein alter Mann, der meine Nummer wollte (La blanche und so, zumindest wars lustig) und dann eine Mutter mit zwei Kindern im Grundschulalter, die natürlich nur ihren Platz bezahlt und meinte, sie kann beide Kinder auf den Schoß nehmen. Im Endeffekt hatte ich es dann auf dem Schoß und eine relativ gute Unterhaltung.

Angekommen liefen wir erst einmal zu Carines Tante, mit dem Ziel das Kind und Mutter vereint zu sehen. Die Wahrheit sah leider etwas anders aus. Das Kind im Arm der Tante und viele junge Geschwister empfingen uns. Von Carine keine Spur. Sie saß draußen hinter dem Haus im Regen, weil sie sich immer noch nicht gewaschen hatten. Während wir drinnen auf Plastikstühlen an der Wand saßen und warteten, mussten wir leider miterleben, dass der Umgang mit Carine nicht gerade menschlich ist. Sie wurde beschimpft und geschlagen, bevor die Tante sich ihrer endlich annahm und ihr beim Waschen half. Sie aß auch nicht mit uns, sondern blieb in einem anderen Raum und wir gingen dann auf sie zu. Carine ist kein einfacher Mensch, sie hat ihren eigenen Dickschädel und ein paar Eigenheiten (wie das bei geistig Behinderten nun mal ab und zu der Fall ist), aber wir waren trotzdem geschockt von ihrem Anblick. Sie vermittelte auf keinen Fall das Bild einer frisch gebackenen Mutter, ihre Schultern und Arme waren mager und sie hatte mehrere Verletzungen im Gesicht und an ihrer rechten Brust, dessen Herkunft keiner weiß. Es wurden aber auch keine Maßnahmen vorgenommen, was bei ihrer Infektion durchaus nötig gewesen wär.

Verschüchtert redete sie nur wenig, in den folgenden Tagen begründete sie uns das mit der Angst, von ihrer Tante geschimpft und geschlagen zu werden. Sie bat uns am letzten Tag sogar extra hinaus, um mehr mit uns zu reden. Dass sie das ganze Rechnen und Schreiben verlernt hat und sich nicht einmal mehr an das Lied, das wir zusammen gelernt hatten, als sie noch da war, erinnert. Der vermutlich schönste Moment war, als Carine, Flo und ich zu dritt dann doch bis zum Ende des Liedes sangen. Die wichtigste Nachricht, die sie uns aber vermittelt hat, war, dass sie auf jeden Fall wieder ins Centre möchte, da es ihr bei ihrer Tante nicht gut geht. Aufgrund der Geburt wurde ihre Bewegungsfähigkeit jetzt noch mehr eingeschränkt und da sie nicht genug isst, hat sie auch in den Armen nicht mehr genug Kraft, um sich halbwegs schnell zu bewegen. Vorher konnte sie auf allen Vieren „krabbeln“, die Beine hinter sich herziehen, nur jetzt musste sie aufrecht sitzen und sich so immer weiterschieben, was extrem langsam und auch unangenehm ist. Über die Tage, die wir bei ihr verbrachten, bekamen wir ihre miserable Situation deutlich zu spüren und es steht auch schon fest, dass wir sie zurück nehmen. Um das Baby müssen wir uns keine Sorgen machen, darum kümmert sich die Tante liebevoll. Carine hat ihr Mädchen "Grâce Merveille" seit der Geburt nicht einmal gehalten. Es muss nur eine Lösung für die nahenden Sommerferien (zweieinhalb Monate) gefunden werden, denn wenn sie dann wieder zu ihrer Tante zurück muss, wird sich ihre Situation dort sicher nicht verbessern.

 

Internationaler Tag der Frau

08März2018

Ich habe ab und zu das Gefühl, dass hier in Kamerun aus jedem möglichen Anlass immer gleich möglichst eine große Feier gemacht wird. Das ist keine Beschwerde, ich profitiere dabei ja jedes Mal von neuen Eindrücken, gutem Essen und vor allem lustigen Nachmittagen und Abenden. Zum Internationalen Tag der Frau natürlich dann auch. Vormittags fand am öffentlichen Stadium vor der Tribüne ein Umzug statt, begleitet mit Tänzen, Gesang und ein paar Reden von den Autoritäten. Neben modernen Tänzen gibt es dann auch immer traditionelle Einlagen in typischen Gewändern und Lieder in einer der 207 Ethniensprachen. Meist Baham, weil wir ja auch in Baham sind. Zum Ende der Zeremonie wurden dann alle Frauen in Vereinen dazu aufgerufen, sich für den Umzug zu positionieren. Der Umzug findet auf einer Geraden von vermutlich 500 Metern vor der Tribüne statt und dauert verhältnismäßig nicht so lang. Das Schönste war vermutlich, dass alle Frauen ihren Stoff zum 8. März trugen. Extra für diesen Tag der Frau wurde ein Muster in zwei Farben mit dem diesjährigen Motto entworfen. „Tous ensemble pour un Cameroun riche de sa diversité, stable et uni. / All together for stable, united Cameroon rich in its diversity.“ Angesichts der etwas kritischen Situation im anglophonen Teil des Landes find ich dieses Motto auch äußerst gerechtfertigt. Allerdings wird dieser Leitspruch vermutlich nicht viel daran ändern, zudem er nur an diesem Tag erwähnt wurde und inzwischen vermutlich für die meisten schon wieder zu Nebensache geworden ist. Auch der Frau im Allgemeinen wurde in den Reden der Politiker etc sehr viel Wertschätzung entgegengebracht, was ich hier durchaus auch schon anders gehört hatte. (Vielleicht erinnern sich noch Einige an einen der ersten Einträge mit dem Titel „Frauen in die Küche“ und auch sonst kann man meist schon noch ein etwas ungleiches Rollenbild spüren. Trotzdem wird niemand hier unterdrückt (mal schnell Klischees wegräumen) und der Frau auch viel Verantwortung gegeben und Aufmerksamkeit gewidmet. Nach der Zeremonie ging es mal wieder ans Hände schütteln, unter Anderem grüßten wir auch den Sous-Préfet, der uns kurzerhand zu sich zum Essen einlud und gemeinsam mit den anderen Gästen durften wir wieder vom Buffet profitieren. Danach stand noch eine Einladung des Préfets an, die wir aber nicht wahrnehmen konnten, weil die Arbeit dann irgendwann doch ruft, wenn man den halben Tag außerhalb verbracht hat.

Ich bin 4090 Meter über mich hinausgewachsen - Urlaub mit Papa

03März2018

   Mehr oder weniger schnell stand dann das Wochenende vor der Tür, nach dem mein Papa kommen sollte. Da wie immer überall alles Mögliche los war, kam das für mich unerwartet schnell und ich fühlte mich, als würde ich alles halbfertig stehen und liegen lassen und mich auf nach Douala zu machen.
Der vermutlich einzige Gast aus Deutschland war für meine Kinder schon lange Thema, wir zählten sogar gemeinsam die Tage, bis er kam, denn Eltern sind hier die Respektpersonen schlechthin. Deshalb nannten ihn auch alle Papa, egal ob Kind im Alter von 7 Jahren oder auch schon erwachsen. Im Centre wurden wir natürlich wie immer mit Freudenschreien begrüßt und ich führte ihn ein paar Tage lang durch meinen Alltag und an die wichtigsten Orte in der Umgebung. Fovu, Bafoussam, eine Chefferie etc., bevor dann der wirkliche “Urlaub“ begann.

Unser großes gemeinsames Projekt: den Mount Cameroon besteigen. Also wieder zurück über Douala und dann nach Buea, um am nächsten Tag frühmorgens (letztendlich dann eher gegen 9Uhr) die Wanderung zu starten. Vorgesehen waren jeweils eineinhalb Tage Auf- und dann auch wieder Abstieg. Anfangs waren wir auch recht flott unterwegs, es ging erst über Felder und hohe Wiesen und dann in einen immer dichter werdenden Wald hinein. So verbrachten wir die ersten Stunden bis Mittag und machten auf 1850 Metern dann die erste wirkliche Pause, aßen unser Baguette mit Sardinen und Avocado (ja man passt sich ernährungstechnisch an). Weiter ging es dann deutlich steiler, nach einer weiteren Stunde kamen wir auch aus dem Wald heraus in Geröll und steile Hänge mit Gräsern. Mit einem Blick nach oben sagte ich noch leichtfertig, so hoch sei das gar nicht. Ich hatte dabei nur leider nicht bedacht, dass sich hinter dem ersten Hügel der nächste und nächste und nächste aufbaut und man noch sehr lange nicht oben war.
Verglichen mit dem zweiten Tag waren wir aber gut in Form und kamen schon gegen halb vier auf der zweiten Hütte auf 2850m an. Den ersten Tag geschafft. Gegen Abend hin wurde es dann ziemlich schnell ziemlich frisch und die Wolken bildeten eine graue Front, die uns den Blick auf Buea und die Küste sowie Limbé verwehrte. In allen Jacken und Pullis, die ich mithatte, aßen wir dann Abend und schliefen früh. Fünf Stunden bergauf wandern und klettern war dann doch anstrengend. Nur das mit dem Schlafen war so ein Ding. Der Wind heulte draußen, es fing an zu regnen und zu stürmen. Donner ertönte und es blitzte in unregelmäßigen Abständen. Mehr oder weniger ausgeschlafen krochen wir also am nächsten Morgen gegen sechs Uhr also aus der Hütte und wärmten uns mit Tee am Feuer. Aufgrund des Wetters warteten wir etwas ab, bevor dann endgütlig entschlossen wurde, jetzt geht es weiter.

Acht Uhr, jeder wieder seinen Rucksack auf dem Rücken und voraussichtlich 10 Stunden Wanderung vor uns. Genauso steil wie es gestern aufgehört hatte, ging es dann weiter bergauf. Der Wind blies einen ungemütlich von der Seite an und ich hatte immernoch zwei Pullis, Strick- und Regenjacke an. Es war vermutlich auch mehr Wille als Kraft, der mich die letze Stunde, die letzten paar Höhenmeter nach oben schleppte. Der Wind drückte mich nach links und ich versuchte, seitlich hochzustapfen, um irgendwie auch noch an Luft zu kommen. Mittags dann 4090 Meter. Wir habens geschafft. Mit angefrorenen Fingern und mit Kapuze im Gesicht machten wir nur schnell einige Fotos, um dann wieder nach unten zu gehen. Auf der anderen Seite des Berges, wo die Wolken immer noch in schnellem Tempo zwischen uns hindurchzogen. Als wir uns mit dem rutschigen LavaSandBoden vertraut gemacht haben, wurde es aber ganz lustig. Zu dritt (mit unserem Guide) rutschten wir ziemlich schnell die ganzen Höhenmeter, die wir davor mühevoll hochgeklettert sind, wieder runter. Etwas windgeschützt machten wir dann auch Pause, die Sonne scheinte sogar zwischendurch und nur, weil sich Regenwolken näherten, machten wir uns auf und gingen weiter. Vor uns lag eine Ebene mit Geröll und Sand, die wir durchqueren sollten. Sehr lange wanderten wir durch diese unglaublich ruhige Steppe oder vielleicht eher Savanne, um die nächste Pause im Schatten von einigen Bäumen zu machen. Es ging weiter, inzwischen auch wieder richtig bergab über grüne und gelbe Wiesen und Felder, die kaum ein Ende nehmen wollten. Erst gegen Nachmittag, vielleicht so 15 Uhr, änderte sich das Terrain wieder.
Vor uns lagen zwei riesige Krater vom Ausbruch 1999 und unter uns knirschte der Sand von endlos langen Lavafeldern. Aus dem Boden wuchsen hier und da mal strohähnliche Grasbüschel und dann wieder etwas Moos und außer einigen Vögeln war es immer noch sehr leise. Wir konnten am Horizont ein bisschen Meer sehen und der Weg schien kein Ende zu nehmen. Bis wir plötzlich an einen kleinen frischen grünen Wald kamen, zu dessen Rande auch unsere Hütte stand. Um 17 Uhr kamen wir ziemlich müde mit aufgeweichten Füßen an. Willkommen in Mannspring auf 2440 Höhenmeter. Ich hatte zum Glück auch keine Atemprobleme mehr und profitierte sehr vom landschaftlichen Naturbild um uns herum. Ich frage mich auch jetzt noch, wie ich dazu fähig war, an einem Tag um die 3000 Höhenmeter zu machen. Die Nacht war zum Glück ruhig und wir hatten gute zehn Stunden Schlaf.

Es hieß, um halb sechs Frühstück, um sechs weitergehen. Dank deutschem Besuch aka Papa hielten wir uns natürlich pünktlichst daran und waren die Ersten, die wach sind. Also: warten. So gegen sieben sind wir dann letztendlich los, durch den kleinen Regenwald und dann nochmals über weite verbrannte Felder mit vereinzelten grünen Grasbüscheln, an denen der Morgentau hing. Und dann in den richtigen Regenwald. Bis zum Ende. Bis Mittags lief ich vorneweg durch gefühlt Tausende von Spinnennetzen und kämpfte mich durch das feuchte Dickicht. Erst auf den letzten paar Metern auf der Geraden fing es an zu tröpfeln, aber wir schafften es ins Büro unseres Organisators, ohne wirklich nass zu werden. Und wir habens wirklich geschafft. Wir haben den Mount Cameroon bestiegen. Erschöpft, aber glücklich haben wir uns dann auf den Weg nach Limbé gemacht. Wir brauchten dringend ein paar Tage Entspannung.

Ab in den Norden ..der Sonne hinterher

30Jan2018


Ne mal im Ernst --> so richtige Entwicklungshilfe

Der Sous-Préfet von Baham kommt ursprünglich aus dem Norden Kameruns. Garoua, so heißt die Stadt neben seinem Village Boulgou. Er hat DG dazu eingeladen, sich dieses Dorf mal anzusehen und über die Konstruktion eines weiteren Centres vor Ort nachzudenken, da die Bevölkerung danach gefragt hat. Und ich hatte die große Chance, dorthin mitkommen zu dürfen.

Der Sous-Préfet von Baham ist nämlich gleichzeitig Chef du Village von Boulgou, also dort die oberste Instanz. Und einer der wenigen, der den Willen zeigt, sich richtig um sein Dorf zu kümmern. Er will ein Centre, um Bildung für die behinderten Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen. Das Problem dort besteht auch darin, dass die Jugendlichen und vor allem junge Erwachsene keine Zukunftsperspektiven finden und daher wegziehen und somit ein Stück Heimat verlassen. Dementsprechend sind auch die Dorfbewohner entweder jung oder ziemlich alt. Aber fangen wir lieber mal von vorne an.

Mittwoch gegen sieben Uhr wurde ich aus dem Centre abgeholt. Die Kinder verabschiedeten sich von mir als würde ich eine Weltreise antreten und meinten alle ganz lieb, dass sie mich so vermissen werden. Dabei hatte ich erst einmal 24 Stunden Fahrt vor mir. Vorausgesehen waren ja erst mal zwei Tage, da man über Yaoundé im Süden alles nochmal hoch und weiter fahren musste. Tag und Nacht. Was macht man dagegen? Schlafen. Mehr bleibt im Auto nicht übrig. Als ich dann nochmal aufwachte, sah ich rundherum einen ziemlichen Urwald. Natürlich keinen echten, aber viel mehr hohe Bäume, Palmen und andere Häuser. Aus Ästen wird ein Gitter gebaut und die Zwischenräume mit Erde gefüllt, das Dach aus Blech. Wir haben zwischendurch sogar die kleinen, runden Hütten von Pygmäen gesehen. Als ich dann am nächsten Morgen um 6 Uhr aufwachte nochmal alles anders: eher so Steppe, eher karg und sandig, alles beige, hellbraun und olivgrün, vereinzelt Bäume. Runde kleine Hütten mit Strohdächern in Strohpalisaden eingerahmt und alle Familien vor ihren Häusern neben riesigen Feuern. Es war ruhig und harmonisch, frisch.

Am nächsten Morgen ging es dann ins Village. Schon vormittags machten wir die Tour durch die erste Hälfte der Quartiers, die relativ weit verstreut in der Einsamkeit liegen. Wir wurden von fünf bis sechs “notables“ (Berater des Chef du Village) empfangen und während unserer Tour schlossen sich immer mehr an und wir bildeten am Ende eine richtige Parade. Allgemein begegneten uns alle mit Riesen Respekt. Uns wurden alle möglichen Früchte gezeigt und zum Probieren vom Baum gepflückt, irgendwie war auch so gut wie alles essbar. Und lecker, meistens süßlich. Am Abend machten wir dann den Rest der Tour, weil es zwischendurch zu heiß war. Auch hier saßen wir in fast jedem Hof, redeten so gut wie mit jeder Familie und hatten fast einen zweiten Empfang, als im Dunkeln die notables noch einmal auf uns warteten. Es gibt keine Elektrizität, die Stromleitung hat es nicht so weit geschafft und so saßen alle im Mondlicht auf einer Plane am Bode und unterhielten sich noch lange.

Am nächsten Morgen war der große Tag gekommen: Zur Reunion, die der Chef einberufen hatte, kamen Menschen auch noch aus den umliegenden Dörfern, mit Fahrrädern, Motos oder nach stundenlangem Fußmarsch an. Wieder wurden Planen auf dem Boden ausgebreitet und alle saßen auf den Boden. Zu dritt (der Sous-Préfet/Chef du Village, DG und ich) erklärten wir die Arbeit des Centres und wie man das hier umsetzen könnte. Der erste Minister übersetzteübersetze alles in den örtlichen Dialekt, der rein gar nichts mit dem Französischen zuund tun hat. Alle, wirklich alle, jeder Einzelne hörte aufmerksam und gespannt zu. Applaudierte höflich und aber auch begeistert. Während DG sich um die Registrierung der Behinderten und Waisen kümmerte (das waren übrigens über 200), machte ich Fotos, schrieb das Protokoll fertig und setzte mich dann zu den Kindern. Sie erzählten mir, wie die großen Geschwister nach Ngaounderé oder in andere große Städte sind, wie sie jeden Tag vier Eimer Wasser vom Brunnen holen und wie sie Französisch erst in der Schule lernen. Und was sie später werdennoch wollen, wohin sie unbedingt mal gehen möchten. Lauter liebe Kinder mit großen Träumen und leider wenig Möglichkeiten.

Dieses Dorf hat mir unglaublich viel Hoffnung gegeben. Und Bestätigung, dass unsere Arbeit doch wirklich hilft und auch ihnen Zukunftsperspektiven geben kann. Natürlich ist damit nur ein kleiner, erster Schritt getan, Kontakt geschafft worden und jetzt steht das viel größere Projekt vor der Tür. Priorität hat natürlich unser Umzug, der seit gut einem Jahr hätte stattfinden sollen, aber ein bisschen von den Spenden soll jetzt immer zu Seite gelegt werden und bei der nächsten Möglichkeit mit in den Norden. Mir ist auch klar, dass das ein Langzeitprojekt ist und ich davon erst mal nicht mehr allzu viel mitbekommen kann, aber trotzdem mit dabei sein zu dürfen und sogar für den Anfang verantwortlich zu sein, ist wirklich eine Ehre.

Silvester und die Rückkehr der Kinder

13Jan2018

Entgegen großen Versprechungen von wegen “Alle Leute seien auf der Straße“, “Es wird überall gefeiert, getanzt, die ganze Nacht“ verbrachte ich eher ein ruhiges familiäres Silvester. Da Flo noch in Yaoundé geblieben ist und Lea ebenso Urlaub machte, wollte ich alleine nicht sofort ins menschenleere Centre zurückkehren und blieb somit noch einige Tage bei DG und MaDe in Demko. Und verbrachte somit auch Silvester dort. Das wird aber erst am 1. Januar gefeiert und somit bestand der 31. Dezember, der bei uns ja eher die größere Rolle spielt, hier aus vorbereiten. Es war ein Tag wie jeder andere auch, abgesehen davon, dass ich gefühlt 5kg Bohnen kleingeschnitten habe usw. Abends hatte ich dann eher das Gefühl, dass irgenetwas fehlt, weil es hier die ganze Schießerei und Feuerwerk natürlich nicht gibt. Es eigentlich nur auf Mitternacht gewartet, um alle möglichen Leute anzurufen und Frohes Neues zu wünschen.

Trotz allem hatten wir am ersten Januar eine Menge Spaß, die Nichten von MaDe waren mit einigen anderen Kindern da und die unterhielten uns gut, immerhin gab es immer jemanden, der an den Haaren zog (ich musste ziemlich viel Überzeugungsarbeit hinlegen, dass man mir glaubte, dass es keine Perücke ist) oder an einem rumturnte.

Als ich dann ins Centre kam, war es erst einmal still. Ich nutzte den Moment und spielte Gitarre, machte den Hausputz und fing erst an, mich zu langweilen, als wirklich alles alles erledigt war. Ab diesem Zeitpunkt wartete ich sehnsüchtig auf die Rückkehr der Kinder. Angekündigt wurde, dass sie am fünften Januar zurückkommen sollen, allerdings nehmen das hier nicht so viele ernst. Und so wurde der Tag sehr sehr lang. Fadyl war mein erster Hoffnungsträger, er kam schon vormittags um 10 Uhr, das war es allerdings dann auch für den Tag. Dieses Spiel ging drei Tage lang, selbst Montag, als schon wieder regulär Schule war, kamen abends die letzten.

Inzwischen sind alle da und im Centre wieder Leben. Singende Kinder beim Kochen, Wäsche waschen und Kehren. Tausend Fragen, kann ich bitte Kreide haben, gibst du mir ein Blatt Karopapier, kann ich das ausleihen oder das etc. Es fühlt sich gut an, wieder in meiner riesengroßen Familie zu sein. Unser einziges Problem im Moment ist das Wasser. Seit über einer Woche kam nicht ein Tropfen aus der Leitung und die vier 1000l Behälter sind leer. Wir gehen meist mit unseren 20l Kanistern zum Brunnen einer Familie, nicht allzu weit entfernt. Aber mit einem vollen Kanister auf dem Kopf wird es dann schneller lang, als einem lieb ist. Zumal ich auf den unebenen Straßen und Wegen hier auch so viel zu oft ins Stolpern gerate. Aber gut daheim angekommen. Als das nächste Problem auf uns wartete: “Elie est parti“ (Elie ist weggelaufen). Und die Suche ging los. Das war nicht das erste Mal und so hatten wir zum Glück schon eine Vorahnung, aber wir waren dann insgesamt gute zwei Stunden unterwegs. Und fanden ihn bei seiner Tante. Wieder zurück im Centre kehrte mit dem Abend dann auch langsam Ruhe ein. Alles wie immer.

Yaoundé - Hauptstadt Kameruns

31Dez2017

Eine Woche Tourismus? Von wegen, man muss hier eher nach touristischen Orten und Aktionen suchen und sollte sich lieber auf das gemütliche Treiben der Stadt einlassen. Die ersten Tage verbrachten wir bei Freunden von MaDe, die uns auch mit auf die Hochzeit begleitet hatten im Quartier Ngousso. Die Hauptstraße stark befahren, mindestens dreispurig mit Fußgängern und Motos überall, wie das Verkehrschaos in Kamerun halt ist. Da, wo der Asphalt auf beiden Seiten der Straße aufhört, ist der imaginäre Fußweg, bei dem man alle paar Meter auf kleine Straßenstände trifft oder Motos einen anhupen, damit man gerade noch zur Seite springen kann. Von überall der Geruch von Essen und Anderem, Menschen und Händler, die durcheinander rufen und natürlich auch laute Musik aus überdimensionalen Lautsprechern und meistens läuft “je bois plus oooh“, mein schlimmster Ohrwurm. Ich glaube, das kommt jetzt nicht so positiv rüber, wie es sich anfühlen kann. Klar wird es irgendwann anstrengend, aber in der ganzen Menge liegt auch ewig viel Energie, die ansteckend sein kann. 

Abgesehen von der Hauptstraße war das Viertel echt ruhig, die Aussicht auf die Häuser am Hügel gegenüber mit einigen Palmen und sonstigen Pflanzen ziemlich schön und es hat uns an nichts gefehlt. A propos Gastfreundschaft, die Hausherrin war eher enttäuscht, als sie hörte, dass wir, die “Jugend“ (Flo, ein kamerunischer Freund und ich) noch in Yaoundé bleiben, aber nicht mehr bei ihr verweilen. Deshalb besuchten wir sie im Laufe der Woche noch einmal in ihrer Boutique, um uns zu bedanken und wurden natürlich noch für den selben Abend eingeladen. Auf eine nächste Hochzeit. Das wäre dann die dritte, während ich in Deutschland in 18 Jahren keine einzige erlebt hatte. Jedenfalls ist das ein Pflichtprogramm.

Wir sind in Yaoundé umgezogen, weil Flo durch France Volontaire die Möglichkeit hat, ein Appartement umsonst zu bekommen. Da sind wir dann auch die letzten fünf Tage geblieben, mit fast immer fließend Wasser und das auch noch warm. Dieser Luxus tat zur Abwechslung mal ganz gut. Allgemein scheint das Quartier Bastos eher eines der gehobeneren zu sein. Ebenso ruhig, wenn nicht gerade ein Auto mit möglichst laut aufgedrehter Musik vorbeifährt und nicht allzu weit entfernt von interessanten Orten. Eines Abends besuchten wir noch das Rathaus und den Place de la Liberté, am anderen Abend waren wir im Quartier Briquetterie Essen. Kossam! Das ist so ne Art cremiger Yoghurt, leicht gesüßt und für mich der Himmel, weil Milchspeisen hier so gar nicht gängig sind.

Außerdem waren wir noch mit Freunden im Zoo, was bis auf den Einlass wirklich schön war. Beim Ticketpreis wird unterschieden zwischen Einheimischen (Stadtbewohner), Kamerunern und Ausländern. Wir zahlen viermal so viel wie ein Kameruner und dann wollten sie auch noch eine Fotogebühr extra verlangen. Nach langem Handeln durften wir unsere Handys behalten und machten die kleine Tour. Löwen, Affen, Vögel, Krokodile und Schlangen, Schildkröten und einige andere Tiere konnten wir sehen und das relativ nah, soweit natürlich möglich.

Wir haben auch noch hier und da Bekannte besucht (zum Beispiel das Ehepaar der allerersten Hochzeit in Bafoussam, es war echt schön, zu sehen, wie sie sich Schritt für Schritt ihr eigenes Leben in der Großstadt aufbauen) und dies und jenes gemacht, aber das alles hier aufzuzählen, würde vermutlich für beide Seiten nicht interessant sein. Vielmehr kann ich als Fazit sagen, dass Yaoundé riesig ist und um sich irgendwie orientieren zu können, ist man auf die Hilfe von Kamerunern angewiesen. Und Tankstellennamen. Ob es jetzt Total Ngousso oder Total Nlongkack ist, Carrefour Biemassi oder Casino Bastos, ohne Taxis und solche Anhaltspunkte findet man jedenfalls nicht mehr heim.

So verging die erste Woche meiner Ferien irgendwie wie im Flug. Inzwischen sind wir wieder in Baham angekommen und Silvester werde ich bei DG und MaDe verbringen. Ich wünsche euch an dieser Stelle allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2018 und eine fröhliche Feierei.

Ferieen

25Dez2017

Wie schon erwähnt sind wir freitags mit DG und MaDe nach Yaoundé gefahren. Willkommen in der Hauptstadt Kameruns. Mein erster Eindruck war heiß und Stau. Es hat hier meistens 30°C und mehr und auf manchen Strecken sind Staus unvermeidlich bei der enormen Anzahl an Taxis, die mit Motos und Kleinbussen um die Straße kämpfen. Trotzdem war es irgendwie angenehm, mal aus Baham rauszukommen, etwas anderes zu sehen, zum Beispiel Häuser mit mehreren Stockwerken oder Weihnachtsbeleuchtung.


Nach mehreren Kurzbesuchen bei Bekannten, ehemaligen Pensionären vom Centre kamen wir dann bei einer Freundin von MaDe an, wo wir die nächsten Tage schliefen. Mein Zimmer lag im unfertigen Neubau, außer einer Matratze gab es nichts, aber alleine schon, ein eigenes Zimmer zu haben, ist Luxus.


Der wirkliche Grund für die anderen, nach Yaoundé zu kommen, war aber die Hochzeit am 23. Dezember. Angefangen mit der Kirche um neun (es wurde letztendlich elf) Uhr und ebenso verspätetem Mittagessen so gegen 15 Uhr ging der Tag mit viel Warterei relativ schnell herum. Dann wurde sich noch einmal ausgeruht und am Abend um 22 Uhr ging es zum Tanzabend, dem zweiten Teil der Veranstaltung. Davor wurde natürlich noch einmal groß gegessen: Reis, Plantains (frittierte Kochbananen), alles mögliche an Fisch und Fleisch, Salate und Fruchtspieße zur Nachspeise. Letztendlich gingen wir so gegeb 5 Uhr morgens heim und wir waren definitiv nicht die Letzten. Es warbein ziemlich gelungenes Fest und der Saal sowie die Leute große Klasse.

Der Tag danach war dann eher anstrengend;). Weihnachten in Deutschland, hier kaum ein Funken Weihnachtsstimmung vorhanden, außer der Beleuchtung an den Straßenlaternen. Trotzdem konnten wir uns beschäftigen, wir gingen zur Hauptstraße und schauten ein bisschen dem Treiben zu. Abends gingen wir zum Essen, was ehrlich gesagt einem guten deutschen Bistro ziemlich ähnlich kam (zumindest abgesehen vom Essensangebot). Das erste Mal nach fast vier Monaten wieder eine Art Joghurt. Der wirdwir hier Kossam genannt und schmeckt wie gesüßter Naturjoghurt. Danach machten wir einen kurzen Abstecher in die Kirche und waren dann auch schon müde genug, ins Bett zu gehen (der Tag davor war ja etwas länger).

Ich möchte euch auf diesem Weg meine allerbesten Weihnachtsgrüße ausrichten, hoffe, dass es euch allen gut geht und wünsch euch noch schöne Feiertage. Alles Liebe!

Endspurt mit Hindernissen

22Dez2017

Während ich letztens noch eher eine schlafende Routine feststellte, hielt mich diese letzte Woche vor den Ferien ganz schön auf Trab. Jeden Tag ein neues Event, ein verlorenes Kind und und und ..ich sollte lieber von vorne anfangen.

Schon Freitag vorletzter Woche wurde nach der üblichen Evaluation ein Sondertreffen der Verantwortlichen einberufen. Es handelte sich um zwei ältere Damen, die mit einer Jugendlichen in den Saal kamen. Es handelte sich um ein “enfant perdu“ (verlorenes Kind). Ob das Mädchen nun weggelaufen war, sich verirrt hatte oder wie auch immer, das Sozialamt kam mit der Bitte auf uns zu, sie über das Wochenende im Centre zu beherbergen, bis Montag eine Lösung gefunden werden kann und die Aufrufe in Radio und sozialen Netzwerken gehört werden. Und so wurde die Centre-Familie für einige Tage größer, denn auch Montag und Dienstag keine Neuigkeiten vom Sozialdienst und Anrufe kamen nicht durch. Mittwoch früh dann kam der Sozialdienst mit ihren Eltern und ohne große Worte war sie wieder verschwunden.

Wir durften auch zum ersten Mal erleben, wie die Leute vom Centre erfahren. Denn auch, wenn im direkten Umfeld jeder den Namen kennt, wird das in den Dorfvierteln außen herum doch anders. Zur Sensibilisierung sind wir nach Bandjoun gefahren und haben zwei Jugendliche in ihren Familien besucht. Ein Junge und ein Mädchen, beide 17 Jahre, noch nie die Schule besucht, weil die Eltern das Handicap als zu großes Hindernis sahen. Trotzdem wussten sich beide zu helfen und zu beschäftigen, er arbeitet mit Bambus und richtet Schuhe und sie ist für ihre Geschwister und das Essen zuständig. Trotzdem bietet das Centre natürlich eine große Möglichkeit, sich zu bilden, zumindest die Basis des Schreiben und Zählen zu kennen und eine professionelle Schreinerausbildung. Die Entscheidung liegt immer noch bei den Betroffenen und ihren Familien und vielleicht sind ab Januar einige Neuankömmlinge im Centre (vorausgesetzt der Platz reicht aus).

Außerdem waren für Mittwoch und Donnerstag mal wieder zwei kleine Feste geplant, zum Einen, um Spenden zu empfangen und zum Anderen, weil Weihnachten vor der Tür steht. Wieder wurde also der große Saal auf Hochglanz gebracht, alles aufgeräumt und geputzt. Dienstagnachmittag kamen dann Vertreter der Assoziation Filles de Baham vorbei und brachten allerhand Spenden mit. Neben 5kg-Packungen Spaghetti und Reis, Öl, Salz und Seife war für die Kinder das Highlight Kekse und Saft. Symbolisch wurden diese gemeinsam gegessen, es wurden kurze Reden geschwungen und die Kinder sangen wieder fröhlich munter. Am Ende gab es ein großes Familienfoto und DG führte sie noch einmal durch die ganze Einrichtung. Damit war dann zwar das Fest zu Ende, aber der Tag noch lange nicht.

Alle acht Tage ist Markttag in Baham, so wie an diesem Dienstag und Flo (der französische Freiwillige) hat sich ein kleines Radio erhandelt, was uns die nächsten Abende begleitet hat. Die Musik laut genug, dass die Kinder das neue Ding sofort entdeckt haben und so tanzten wir die letzten Tage durch die Abende.

Das Fest für Donnerstag wurde jedoch eine Enttäuschung. Aufgrund von zu weiten Entfernungen und zu straffem Programm kam die angekündigte Dame doch nicht vorbei. Sie ist bei den Kindern bekannt und beliebt, weil sie ebenso Spenden ins Centre bringt (natürlich immer auch mit Keksen und Lollis). Trotzdem hatten wir vormittags im Saal Luftballons aufgehängt und mit den Kindern herumgealbert (es gingen nur noch die in die Schule, die noch Tests schreiben mussten). Anstatt dem Fest gab es dann halt einen normale Réunion, es wurden die letzten Worte und Pläne ausgetauscht, da DG freitags mit uns nach Yaoundé fährt. Zum Glück hatten Flo und ich am Abend vorher bis Mitternacht noch einige Kuchen gebacken und somit konnten wir den Kindern eine kleine Freude machen und uns für die erste Etappe des Freiwilligendienstes bedanken.

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